Über den Frohnlacher Mandolinenclub

Andrea Kirchner befragt dazu ihren Großvater Ludwig Kirchner

Weißt Du noch, lieber Opa, wann und warum der Mandolinenclub gegründet wurde?

Wenn ich mich recht erinnere, erfolgte die Gründung im Juli 1925. Wir waren musikbegeisterte junge Leute, die sich entschlossen hatten, öfters gemeinsam zu spielen.

 

Wieso gerade Mandoline? Das ist ja eigentlich kein „übliches" Instrument!
Mandoline war zur damaligen Zeit ein beliebtes Instrument. Außerdem nicht zu teuer. Es war das Hauptinstrument unseres Clubs. Nebenbei hatten wir noch Gitarre, Zither, Geige und sogar Klavier und Schlagzeug. Später sogar Klari­nette.

 

Waren auch Frauen in dem Club?

Ja, eine Dame hat sich getraut. Sie hieß Gertrud Thomä. Sie spielte sehr gut Mandoline und hat schön gesungen.

 

Wieviele Mitglieder hattet ihr, und weißt Du noch, wer sie waren?
Da muß ich genau nachdenken. Ich hoffe, daß ich keinen vergesse. Ich glaube 13 Mitglieder, nämlich Gertrud Thomä, Oskar Bauer, Emil Dietrich, Edwin Gerli­cher, Arno Gutgesell, Alwin Kirchner, Ludwig Kirchner, Erich Knorr, Arno Nemmert, Peter Nemmert, Karl Stegner, Emil Volk, Kurt Wittmann.

 

Wieso habt Ihr Euch Tanzkapelle „Wenn" genannt, und was bedeutet das Wenn?
Wir waren alle öfters in der Wirtschaft Wittmann in Neuensorg, dort hing ein Bild an der Wand, das einen Hund zeigte, der gerade sein Geschäft machte - ein Hase hüpfte vorbei - über dem Bild stand ein Spruch, der ungefähr so hieß: „WENN" (das Wenn war groß herausgehoben) der Hund nicht ge... . hätte, hätte er den Hasen erwischt (oder so ähnlich) - daher das „WENN". Wer auf die Idee gekommen ist, weiß ich nicht mehr.

 

Habt Ihr Euch regelmäßig zum Üben getroffen? Wenn ja, wo?
Ja, jeden Donnerstag im damaligen Gasthaus Edmund Engel (jetzt Wurpes).

 

Wo hattet Ihr Eure Auftritte?

Unser Manager war Karl Stegner. Er vermittelte unsere Auftritte in Coburg, Schwürbitz, Frohnlach (in der „Linde", damals Steffels) - eigentlich überall, wo in der Gegend etwas los war - auf Kirchweihen, Fasching, Radlerfest oder z. B. zum Waldfest, dort wurde auch das Foto gemacht. Übrigens, an meiner Hoch­zeit hat der Mandolinenclub auch gespielt. Das war am 2.5.31 - Mensch, ist das schon lange her.

 

Was kostete es, wenn man Euch zur Unterhaltung engagierte?

Das war kostenlos. Meistens haben wir Essen und Trinken frei erhalten und manchmal auch ab und zu etwas Geld.

 


 

 

Mandolinenclub Frohnlach.

Sitzend von links: Max Friedrich, Erich Knorr, Arno Nemmert, Ludwig Kirchner.

2.      Reihe von links: Albin Kirchner, Oskar Schilling, Kurt Wittmann, Edwin Gerli­cher (?), Emil Volk, Karl Stegner, Max Fischer,

3.    Reihe von links: Oskar Bauer, Robert Forke/, Emil Dietrich, Peter Nemmert.


Kannst Du mir einige Begebenheiten, vielleicht etwas Lustiges, erzählen?
An der Frohnlacher Kirchweih haben wir Ständerle gesungen, verkleidet. Wir haben, wie üblich, Getränke bekommen und Geld, von dem wir uns dann Notenblätter gekauft haben. Am 3. Tag der Kirchweih wurde diese beerdigt. Das war eine große Gaudi. Richard Jakob hat die Kirchweihpredigt gehalten. Am Faschingsdienstag haben wir einmal beim jetzigen Gasthaus Wurpes gespielt und zwar gegenüber auf einem Hausdach. Wir sind mit einer Leiter rauf, alle Musiker mit Instrumenten. Als wir alle oben waren, hat jemand einfach die Leiter weggezogen. Wir haben dann ca. 3 Std. gespielt. Dann hat man die Leiter wieder gebracht. Es war schon eine lustige Sache mit viel „Hallo".


Mandolinenclub Frohnlach - Abteilung Tanzkapelle „Wenn" - mit Damen am Wirtsteich.

Einmal haben wir einen Ausflug ins Sauloch gehabt. Da sind wir singend und spielend durch die Dörfer gewandert, dann über die Seidmannsdorfer Straße bis zum Coburger Marktplatz. Von da dann in die Judengasse zum Gasthof „Zum Hirschen", dessen Inhaber Albert Engel war. Da sind uns die Leute nachgelau­fen.

 

Wann seit Ihr auseinandergegangen und warum ?

Es haben viele geheiratet oder die Lust verloren. Aus dem Mandolinenclub wurde dann der Musikverein. Karl Stegner hat ihn geleitet. Das war, glaube ich, im September 1932.
Was ich noch sagen wollte: Wir nannten uns zwar Mandolinenclub, aber da viele noch andere Instrumente spielten, traten wir als Tanzkapelle „Wenn" auf. Da war z. B. Peter Nemmert (Schlagzeug), Arno Nemmert (2. Geige), Edwin Gerlicher (Trompete), Karl Stegner (Klavier), Alfred Siegelin (Klarinette), und ich selbst spielte 1. Geige und habe gesungen. Später wurde daraus die Tanzka­pelle Kirchner.

 

Hast Du Deine Mandoline noch?
Ich weiß noch, als kleines Kind habe ich öfters darauf herumgeklimpert? Ja, schau doch mal auf dem Dachboden nach...

 

Ich habe sie tatsächlich gefunden, Deine Mandoline! Auch das Protokollbuch ist noch vorhanden.

Was Du erzählt hast, stimmt alles. Prima, lieber Opa!

 

Mit freundlicher Genehmigung der Arbeitsgruppe ‚Spurensuche’ aus Dorfgeschichten – Band 3 von 1989